Vorspiel zum Weihnachtssingen

Das Wehynachts-Lied

Der alternde Komponist Franz Xaver Gruber schildert im Vorspiel Das Weyhnachts-LIed seine Lebensumstände als junger Dorfschullehrer und die des Hilfspfarrers Joseph Mohr. Am 24. Dezember 1818 führten beide erstmals ihr Lied Stille Nacht, heilige Nacht in der Christmette von St. Nikola zu Oberndorf auf. Wie es dazu kam, ist bewegend  und spannend zugleich. >Weihnachtssingen


Handschrift des Autors

Stille Nacht!

2018 wird das Weihnachtslied 200 Jahre alt. Den Liedtext Stille Nacht! schrieb Pfarrer Joseph Mohr 1816 in Mariapfarr. Am 24. Dezember 1818 komponierte Franz Xaver Gruber die Melodie für Tenor, Bass, Chor und Gitarre. Die Komposition nennen beide schlicht Weyhnachts-Lied. Die ältesten bisher aufgetauchten Noten stammen von Pfarrer Mohr aus dem Jahre 1820 (Abbildung) Heute ist das Lied UNESCO Weltkulturerbe und wird weltweit in über 300 Sprachen und Dialekten gesungen.


Heilige Nacht ehrt Stille nacht

Die Mohr Gitarre

Auch die kammermusikalische Fassung der Heiligen Nacht steht ganz im Zeichen des großen Jubiläums. Die Urschrift vom 24. Dez. 1818 des Liedes Stille Nacht! in D-Dur, 6/8-Takt, für zwei Solostimmen, Chor und Gitarrenbegleitung ist bis heute verschollen. 1995 tauchten jedoch unter dem Titel Weyhnachts-Lied die um 1820 von Mohr geschriebenen, bisher ältesten Noten des Werks auf. Diese Fassung erklingt im Finale der Aufführung Heilige Nacht. Um dem ursprünglichen Klangbild so nahe wie möglich zu kommen, begleitet Perry Schack (Foto) auf einer Replik der berühmten Mohr Gitarre das Lied. >Heilige Nacht


Franz Xaver Gruber

Der Komponist

Franz Xaver Gruber wurde am 25. November 1787 in Oberösterreich geboren. Sehr früh galt seine Liebe der Musik. Als heranwachsender kauft ihm sein Vater ein gebrauchtes Spinett für fünf Gulden. Bis zum 18. Lebensjahr war Gruber als Weber tätig. 1807 trat Gruber seine Stelle als Lehrer, Mesner und Organist in Arnsdorf an. Um in das Schul- und Mesnerhaus (Foto) der Wallfahrtskirche Maria im Mösl in Arnsdorf einziehen zu können, heiratet er die darin lebende zweifache Witwe Maria. Maria hat zwei Kinder mit in die Ehe gebracht.


Gruber in Oberndorf

Die Trauer

Franz Xaver Gruber, im Vorspiel des Weihnachtssingens von Clemens Joswig (Foto) dargestellt, hat mit seiner Ehefrau Maria in Folge zwei Mädchen. Beide verstarben bereits im Kindesalter. Die Grubers belastet der Tod ihrer Kinder sehr. Ab 1816 übernimmt Gruber den Kantoren- und Organistendienst in Oberndorf.


Joseph Mohr

Der Textautor

Joseph Mohr wurde am 11. Dezember 1792 als Sohn einer armen Strickerin in Salzburg geboren. Der Salzburger Domchorvikar Johann Nepomuk Hiernle ermöglichte dem talentierten Joseph den Besuch des Akademischen Gymnasiums. Da er von unehelicher Geburt war, musste ihm bei seinem Eintritt ins Priesterseminar die Dispensation vom Ordinariat gewährt werden. 1817 wird Mohr Aushilfspriester in Oberndorf und wohnt im Mesnerhaus, dem heutigen Stille Nacht Museum (Foto Enrico de Paruta 2017 auf Recherche für sein Vorspiel).  


Der Hilfspfarrer

Das Gedicht

Die erste offizielle Dienststelle von Mohr war Mariapfarr im Lungau. Hier schrieb er 1816 den Text von Stille Nacht!. In Oberndorf ging der junge Pfarrer oft zum Essen in Wirtshäuser. Dort sang er mit den Schiffern nicht erbauliche Gstanzl und spielte dazu auf der Gitarre. Im Vorspiel Das Weyhnachts-Lied überzeugt Tenor Manuel Ried (Foto) als junger Mohr und begleitet sich selbst auf der  Replik der Mohr-Gitarre bei der Entwicklung von Stille Nacht.


Die Pfarre St. Nikola

Uraufführung in schwerer Zeit

Die Napoleonischen Kriege waren zu Ende, Not und Elend blieben. Das geistliche Fürstentum Salzburg hatte seine Selbständigkeit verloren. Ein Teil kam 1816 zu Bayern, der größere Teil zu Österreich. Und so wurde der Uraufführungsort von Stille Nacht! Oberndorf von seinem Stadtzentrum in Laufen getrennt, da die Salzach zur Grenze wurde. Der Fluss bildete durch den Salztransport über Jahrhunderte die Grundlage für den Wohlstand in Laufen/Oberndorf. Die Schiffer, Schöffer gennant, traf es hart. Nach der Mette sangen sie in ihrer Pfarre St. Nikola (Foto vor dem Abriß) gemeinsam das Lied Stille Nacht!


Der Pfarrpfovisor

Georg Heinrich Nöstler

Der Pfarrprovisor lebte im Pfarrhof Maria Bühel. Die große Volksnähe des im Ortszentrum ansässigen Koadjutors Mohr wurde von Nöstler mit Argwohn betrachtet. Und so beschert er sich beim Konsistorium in Salzburg über seinen Hilfspfarrer Mohr. Nöstler wirft ihm vor, dass ihm der nöthige Subordinations Geist abgehe. Außerdem wirft er ihm das Scherzen, auch mit Personen anderen Geschlechts vor. Das Konsistorium erbittet daraufhin einen Bericht vonm vorgesetzten Dekan, der allerdings alle Vorwürfe Nöstlers entkräftet. In der Rolle des verbitterten Pfarrprovisors brilliert Lutz Bembenneck (Foto).


Wohnung der Grubers

Die Kuchl

Von 1807 bis 1829 wohnte Franz Xaver Gruber im Schul- und Mesnerhaus von Arnsdorf,  das direkt neben der Pfarrkirche Maria im Mösl liegt. Im ersten Stock des Gebäudes wohnte er mit seiner Familie und wirkte als Dorfschullehrer. In der Kuchl, die noch im Orginalzustand erhalten ist, sas Gruber an manchen Abenden mit Pfarrer Joseph Mohr und unterhielt sich mit ihm über Musik. 


die mesnerin von arnsdorf

Maria Elisabeth Gruber

Im Juli 1807 heiratete Gruber die Frau seines verstorbenen Vorgängers, Maria Elisabeth Engelsberger, geb. Fischinger. Maria war 13 Jahre älter als Gruber und brachte zwei Kinder mit in die Ehe. Gruber hatte mit Maria zwei Mädchen, die allerdings im Kindesalter verstarben. Im Vorspiel Das Weyhnachts-Lied gedenkt Maria mit ihren Kindern den beiden verstorbenen Mädchen und singt das Lied Haidl Bubaidl, das 1819 erstmals aufgeschrieben wurde und als Vorläufer des Liedes Heidschi bumbeidschi gilt.


Die Salzachschiffer

Stille Nacht Paten

Auf der Salzach transportierten die Schiffer - Schöffer - das weiße Gold und andere Güter. Ihre Schutzpatrone waren die Heiligen Nepomuk und Nikolaus. Die Familien beteten in der Kirche St. Nikola zu ihrem Patron und baten darum, dass der Fluss die Mannschaft und die Fracht sicher ans Ziel bringe. Die Schöffer erlebten mit ihren Familien in der Christmette 1818 die Uraufführung des Liedes Stille Nacht, helige Nacht.   


Die Anklöckler

Ahui ins Gottsnam!

Vor jeder Fahrt versammelten sich die Schöffer zum Wassergebet. Ihr frommer Ruf Ahui, in Gottsnam! war landauf und landab bekannt. Im Winter, wenn der Wasserstand und das Eis auf der Salzach keine Schiffahrt zuließen, machten sich die Schöffer als Anglöckler auf den Weg und heischten um milde Gaben für ihre Familien. Im Vorspiel Das Weynachts-Lied kommen an Heiligeabend 1818 Schöffer mit der Schöffermusik auch in Arnsdorf vorbei und erfreuen die Grubers mit ihrem Anglöckl-Lied Ahui, in Gottsnam! 


grubers Schulzimmer

Geschichtsunterricht vor Ort

Ein Ausflug in die Stille Nacht-Orte bei Salzburg lohnt sich. Arnsdorf, Oberndorf, Hallein, Wagrain ... kurz: alle Orte, die mit der Entstehungsgeschichte des Liedes und den beiden Autoren Berührungspunkte haben, sind einen Besuch wert. Enrico de Paruta wandelte Anfang 2017 mit seinen Produktionsleitern Florian Riemensperger und Benjamin Viegen auf den Spuren des Wehnachts-Liedes. Dabei machten sie auch im Schulzimmer von Arnsdorf Halt, wo Franz Xaver Gruber einst unterrichtete. 


Oberndorf an der Salzach

Die Stille-Nacht-Gedächtniskapelle

Die kleine Kapelle besuchen Gäste aus aller Welt. Ihre Schlichtheit beeindruckt. Nach zwölf Jahren Bauzeit wurde sie 1937 eingeweiht. Sie wurde nur aus Spendengeldern finanziert und steht an jener Stelle, an der einst die St.-Nikolaus-Kirche stand. Die beiden Fenster zeigen die Liedschöpfer Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber.


Ticketstand

grün = vorhanden

gelb = wenig

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